
Wissenswertes über die Parodontal-Behandlung
Manche Patienten denken bei Parodontaltherapie sofort an einen chirurgischen Eingriff: Tatsache ist jedoch, dass sowohl die Europäische als auch die Amerikanische Gesellschaft für Parodontologie in ihren Richtlinien betonen, dass parodontale Gesundheit in einem Stufenkonzept erreicht werden kann. Dieses reicht von wenig aufwendigen Methoden bis zu komplexen Eingriffen, die an die vorliegende Erkrankung angepasst werden.
1. Hygiene-Phase
Im Wesentlichen besteht die Behandlung in der Entfernung sämtlicher Bakterien- und Zahnsteinbeläge von den erkrankten Zähnen. Damit sich diese Beläge nicht von neuem bilden, sollten Sie lernen, alle Ihre Zahnoberflächen perfekt sauber zu halten. Denn: der erste Schritt zur Mundgesundheit ist gute Mundhygiene! Wenn bei Ihnen Parodontitis diagnostiziert wurde, könnte es sein, dass Sie besonders anfällig sind und Ihr Körper bereits auf kleinste Plaquemengen reagiert. Aus diesem Grund müssen Sie eine bessere Mundhygiene haben, als viele andere Menschen.
Unser Team möchte Ihnen dabei helfen, sicherzustellen, dass Ihre häusliche Mundhygiene auf höchstem Niveau ist. Schwierigkeiten treten erfahrungsgemäss in den Zahnzwischenräumen und der Region der Backenzähne auf. Für diese Zonen gibt es geeignete Hilfsmittel, die speziell für Ihre individuelle Situation ausgewählt werden.
2. Nicht-chirurgische Therapie
Ihr Zahnarzt, eine Dentalhygienikerin oder eine speziell ausgebildete Mundhygieneassistentin führen in der Folge eine systematische Reinigung aller Zahnoberflächen, insbesondere der Wurzeloberflächen innerhalb der Zahntaschen durch. Dieser Schritt ist umso aufwendiger, je tiefer die Zahntaschen sind und wird meist in mehreren Sitzungen (und eventuell unter lokaler Betäubung) durchgeführt .
In manchen Fällen werden zusätzlich zur parodontalen Therapie oral einzunehmende Antibiotika verschrieben. Diese Medikamente bekämpfen die bakterielle Infektion; eventuell auftretende unerwünschte Wirkungen dieser Medikamente müssen im Einzelfall gegen den erwarteten Nutzen aufgewogen werden.
3. Neubeurteilung (Reevaluation)
Die Hygienephase führt normalerweise zum deutlichen Rückgang der Entzündungszeichen, zum Abschwellen des Zahnfleisches und zur Verringerung der Anzahl und Tiefe der Zahntaschen.
8 bis 12 Wochen nach der letzten Reinigungssitzung wird der Heilungserfolg beurteilt. Hierfür wird neuerlich ein Parodontalstatus erhoben, sowie ggf. weitere Befunde wiederholt. Im günstigsten Fall finden sich keine Entzündungszeichen und keine tiefen Taschen mehr und die aktive Behandlungsphase kann abgeschlossen werden.
Bei weit fortgeschrittenen Fällen und vor allem an Backenzähnen ist es jedoch oft nicht möglich mit der Hygienephase alleine völlige Entzündungsfreiheit zu erzielen.
4. Chirurgische Phase
Falls Resttaschen zurückgeblieben sind, wird ein chirurgisches Vorgehen gewählt, um die Taschentiefe zu reduzieren und das Risiko für eine zukünftige Erkrankung zu verringern. Zusätzlich kann der Verlauf des Knochens und des darüberliegenden Zahnfleisches für eventuell geplante Restaurationen optimiert werden. In bestimmten Situationen kann versucht werden, verlorengegangenes Gewebe mittels „gesteuerter Geweberegeneration“ wieder aufzubauen.
Das endgültige Vorgehen wird Ihnen in einem definitiven Behandlungsplan präsentiert.
5. Langzeitbetreuung
Wie schon erwähnt, verhindert nur perfekte tägliche Zahnreinigung die Neubildung von Bakterienbelägen. Um ein Wiederaufflammen zu verhindern, werden Sie in ein Langzeitbetreuungsprogramm eingebunden. Abhängig von Ihrem Risiko werden Sie in bestimmten Abständen zu sogenannten „Recall“-Sitzungen eingeladen. Dabei wird jedes Mal die medizinische Anamnese aktualisiert und ihr Mundhygieneniveau beurteilt; allfällige Problemstellen werden kontrolliert und behandelt und es wird eine risikoabhängige Reinigung ihrer Zähne mit abschliessender Fluoridierung durchgeführt.
Was sind die Nebenwirkungen und Folgen der Behandlung?
Die Empfindlichkeit während der Behandlung ist individuell sehr unterschiedlich. Grundsätzlich können alle Parodontalbehandlungen unter Lokalanästhesie der entsprechenden Kieferabschnitte durchgeführt werden.
Durch Verringerung der Entzündung kommt es – abhängig von der ursprünglichen Schwellung, der Form des Knochens und der Behandlungsmethode – zur Schrumpfung des Zahnfleisches. Zähne können dadurch “länger” erscheinen. Gelegentlich kann es dadurch zu einer erhöhten Zahnempfindlichkeit auf heiss/kalt/süss kommen, die meist rasch abklingt oder gut behandelt werden kann.
Abschliessend bemerkt
Die Zerstörung des Zahnhalteapparates durch Parodontitis bewirkt eine Einschränkung Ihrer Fähigkeiten zu sprechen, zu essen und zu lachen.
Weiters gilt es zu beachten, dass neueste Forschungsergebnisse Parodontalerkrankungen als Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Frühgeburtlichkeit bezeichnen.
Die gute Nachricht: es nie zu spät!
“Heute gibt es viele Möglichkeiten, parodontale Erkrankungen früh zu erkennen, zu behandeln und die Gesundheit wiederherzustellen!”


